Was bedeutet es, Zen-Schüler/in zu sein?

Wer an Sesshins und Zazenkais mit P. AMA Samy oder anderen Zen-Meistern teilnehmen möchte, braucht nicht Schülerin oder Schüler zu sein, denn alle Teilnehmenden werden gleich behandelt. Wer aber tief in Zen eintauchen will, braucht eine Begleitung auf dem Weg ins Unbekannte.

Die Beziehung zu einem Meister oder einer Meisterin ist wie eine Reise. Wir nehmen sie unterschiedlich wahr, denn ihr Verlauf hängt ebenso vom eigenen Charakter ab wie von dem, was man sucht. Das Ziel dieser Reise ist Nachfolge. Das setzt die Bereitschaft voraus, eine ernsthafte Bindung einzugehen mit einem Menschen, dem man Vertrauen und Glaube entgegen bringen kann. Der Glaube richtet sich weniger an die andere Person als an das  eigene Selbst (dharma). Aufgabe eines Meisters oder einer Meisterin ist es, präsent zu sein und das eigenes Sein zur Verfügung zu stellen. Meister können uns die Erleuchtung nicht schenken. Sie gehen einfach ihren Weg, und es ist Aufgabe der Schüler/innen, zu folgen, zu hören, zu suchen und zu fragen. Ein Meister ist nah, aber kein Freund. Eine Meisterin geht voran, ist aber nicht unfehlbar.

Der Meister-Gestalt zu vertrauen ist letztlich ist es eine Praxis der Hingabe zu dir selbst. Doch kann sich Hingabe nur in einer Beziehung entwickeln, im Zwischenraum von  Meister/in-Schüler/in. In dieser Beziehung geht es um Glaube und Hoffnung, Mut und Treue, Mitgefühl und Verständnis. Vor allem geht es darum, sich selbst mit Licht- und Schattenseiten, Chaos und Zweispältigkeit, Unsicherheit und Zweifel, Sehnsucht und Kampf anzunehmen. Meister lösen weder unsere Lebensprobleme noch helfen sie uns mit psychologischem Rat: geht es eher darum, sollte man besser psychologische oder medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Meister nehmen etwas weg: Ideen und Vorstellungen über sich selbst und die Welt, die uns daran hindern, zu "verweilen, wo es kein Verweilen gibt".

Auch Meister müssen weiter lernen und dürfen sich nicht hinter einer exklusiven Rolle verschanzen. Auf diesem Weg helfen sich Schüler und Meister wechselseitig. Niemand kann Meister ohne Schüler sein; es ist auch ein Geschenk für Meister, Schüler zu haben. Nach dem Erwachen sieht man auch die Grenzen und Unzulänglichkeiten, die menschliche Seite der Meisterin - und kann damit sich selbst als menschliches und zugleich heiliges Wesen akzeptieren. Der Meister im Außen ist nur dazu da, damit wir zu unserem wahren Selbst erwachen. Sind wir erwacht, verschwindet die Gestalt des Meisters. Die Schülerin muss sich vom Meister lösen, die Meisterin muss den Schüler loslassen. Der Meister ist tot, lang lebe der Meister!

Der Meister oder die Meisterin ist eine Brücke - geh hinüber!

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